Popcorn Time mit Schutz gegen Abmahnungen

Popcorn Time Logo

Die Macher der Streaming-Software "Popcorn Time" haben sich wohl fest vorgenommen, den gesamten Ärger der Film- und Fernsehindustrie auf sich zu ziehen – und das mit Erfolg: Popcorn Time ist dabei, sich zur beliebtesten illegalen Streaming-Plattform für Filme und Serien zu entwickeln. Mit einem neuen VPN-Angebot wollen die Betreiber ihre Nutzer nun gegen abmahnende Kanzleien schützen – und das könnte ebenfalls erfolgreich werden.

„Filme streamen ist doch legal!?“ - Diese vorherrschende Meinung hat für viele Nutzer von Popcorn Time zu einem bösen Erwachen geführt. Denn entgegen der Vermutung handelt es sich bei Popcorn Time nicht um gewöhnliches Streaming, sondern um eine illegale Filesharing-Anwendung. Dies hat in den letzten Wochen zu einer regelrechten Abmahnwelle gegen die Nutzer geführt.

Wie funktioniert Popcorn Time?

Popcorn Time nutzt das Bittorrent-Netzwerk, um seine Inhalte zu streamen. Dabei werden angesehene Filme immer auch gleichzeitig im Netzwerk geteilt – der Anwender bekommt davon allerdings nur selten etwas mit. Im Unterschied zum klassischen Streamen im Browser bringt diese Methode einige Vorteile mit sich: Während illegale Streaming-Webseiten immer wieder für Nachschub sorgen müssen, da Inhalte regelmäßig von Rechteinhabern und Behörden entfernt werden, bleiben die Inhalte bei Popcorn Time unlöschbar bestehen. Das Betreiben von Servern ist ebenfalls nicht notwendig – Die Nutzer erledigen diese Aufgabe.

Popcorn Time Screenshot
Popcorn Time Screenshot

Das Neue an Popcorn Time ist die Benutzerfreundlichkeit, mit der die Software daher kommt. Filme und Serien werden mitsamt Titelbild und Beschreibung komfortabel dargestellt und können direkt abgespielt werden. Mit einer Sortierfunktionen können Inhalte nach Kriterien wie Genre, Erscheinungsjahr oder Beliebtheit sortiert werden. Auch das Zuschalten von Untertiteln ist während des Abspielens jederzeit möglich. Dem Aussehen und der Funktionalität der Software nach zu schließen, könnte man fast meinen, es handele sich um ein legales, kostenpflichtiges Angebot

Wie will Popcorn Time seine Nutzer schützen?

Die Idee, sich mit einem VPN-Tunnel gegen Abmahnungen zu schützen, ist nicht neu. Dienste wie www.ipvanish.com oder www.torguard.net existieren schon seit vielen Jahren und sind spezialisiert auf die Anonymisierung ihrer Kunden – auch im Bereich Filesharing (mehr dazu in diesem Artikel). Dies ist möglich, da in vielen Ländern, wie z.B. Schweden oder den Niederlanden, keine Gesetzte zur Vorratsdatenspeicherung existieren. Der VPN-Provider leitet das gesamte Netzwerk des Nutzers über einen Server weiter, der in einem dieser Länder steht. Damit ist der Nutzer für Behörden oder Anwaltskanzleien nicht mehr verfolgbar.

Popcorn Time arbeitet hier mit dem weitgehend unbekannten VPN-Service vpn.ht zusammen und hat diesem auch einen festen Platz in der Software-Oberfläche bereitgestellt: Durch ein kleines Schloss-Symbol am oberen Bildschirmrand gelangt der Nutzer direkt auf die Webseite des VPN-Services. Wer allerdings schon einen VPN-Service nutzt, kann auch diesen problemlos verwenden - eine spezielle Softwareunterstützung ist bei VPNs nicht notwendig. 

Warum Popcorn Time so gefährlich für die Filmindustrie ist

Während das Herunterladen von aktuellen Filmen und Serien im Bittorrent-Netzwerk früher eher etwas für Szenekenner war, die sich auf zwielichtigen Seiten wie thepiratebay herumtreiben, bringt Popcorn Time illegales Filesharing ins Wohnzimmer von Otto-Normaluser. Und diese Strategie könnte Erfolg haben. Denn so bald sich herumspricht, dass man durch die Nutzung eines VPN-Dienstes der Strafverfolgung entgeht, könnte das ganze noch viel problematischer werden als es ohnehin schon ist: Ausländische VPN-Dienste sind vor der Justiz praktisch immun - und dies wird sich in absehbarer Zukunft auch nicht ändern.

Das scheinbar Absurde dabei ist, dass viele Benutzer kein Problem damit haben, 4-10 € / pro Monat für einen Anonymisierungsdienst zu bezahlen, anstatt sich - für das gleiche Geld - ein legales Netflix-Konto zuzulegen. Doch vergleicht man das Angebot von Popcorn Time, z.B. in puncto Aktualität, werden die Unterschiede zu Netflix schnell sichtbar: Wer sich z.B. für die aktuelle Staffel seiner Lieblingsserie interessiert, wird hier oft vergeblich suchen. Erfolgsserien wie "Game of Thrones" (HBO) oder die neu anlaufende Serie "Better Call Saul" (AMC) erscheinen hierzulande erst viele Monate (manchmal sogar Jahre) nach US-Start – auch bei Netflix.

Auch wenn es in diesem Blog schon öfter gesagt wurde: so lange der Handel mit antiquierten Lizenzmodellen in der Filmwirtschaft weitergeht, wird auch die illegale Verbreitung weitergehen. Hollywoods neuer Trend hin zu aufwändigen Serienproduktionen verschärft die Situation noch weiter: passionierte Seriengucker legen ein Junkie-ähnliches Verhalten an den Tag, wenn es um die Fortsetzung ihrer Lieblingsserie geht - Beschaffungskriminalität mit eingeschlossen.