Wie kommen Behörden und Anwaltskanzleien an die IP-Adresse?

Wichtig ist zunächst, dass deutsche Internet Service Anbieter (kurz ISP) nach wie vor verpflichtet sind, Verbindungsdaten ihrer Kunden für einen bestimmten Zeitraum zu speichern. Was heißt das im Klartext? Prinzipiell befinden sich in diesen Verbindungsdaten alle Informationen über Zeitpunkt und Dauer eines Datenaustausches (welcher Natur auch immer). Wenn also jemand (mit der entsprechenden Befugnis) bei einem ISP anfragen würde: „Wem gehörte die IP-Adresse xxx.xxx.xxx.xxx zu einem bestimmten Zeitpunkt“, dann ist dieser verpflichtet, diese Daten heraus zu geben.

Rechtliche Grundlage

Bis zum Jahre 2008 benötigte man für IP-Abfragen noch einen Staatsanwalt, der im Rahmen eines Strafverfahrens die Berechtigung besaß, IP-Adressen beim ISP (z.B. Deutsche Telekom, 1&1, usw.) abzufragen. Inzwischen ist der Umweg über ein solches Strafverfahren nicht mehr nötig. Durch die Einführung des §101 UrhG gilt nun ein zivilrechtlicher Auskunftsanspruch. Konkret bedeutet dies, dass nun prinzipiell jeder, der im Rahmen einer Urheberechtsverletzung geschädigt wurde, Anspruch darauf hat, die Person hinter einer IP-Adresse zu erfragen. Der Umweg über den Staatsanwalt ist dafür nicht mehr nötig.

Wer macht IP-Abfragen?

In den meisten Fällen handelt es sich bei IP-Adressabfragen um Fälle von Urheberrechtsverletzungen. D.h., die IP-Adresse wurde mit hoher Wahrscheinlichkeit in einem Peer to Peer (kurz P2P)-Netzwerk wie BitTorrent, Gnutella oder Edonkey ausfindig gemacht. In Deutschland tummeln sich mittlerweile viele Dienstleistungsfirmen, die sich auf die Verfolgung von Urheberrechtsverletzungen im Dienste der Rechteinhaber (z.B. Warner Bros., Usiversal, usw.) spezialisiert haben. Diese Firmen heißen beispielsweise Digiprotect, Promedia Logistep oder Evidenzia.

Aber auch im Rahmen der Strafverfolgung, z.B. bei Betrugsfällen, ist es üblich, IP-Adressen über die Staatsanwaltschaft zu erfragen, um an die Identität von potentiellen Tätern zu gelangen.

Wie werden IP-Abfragen gemacht?

Screenshot uTorrent
Screenshot uTorrent Client

In einem P2P-Netzwerk sollte es ziemlich einfach sein, bereits in kurzer Zeit eine umfangreiche Liste an IP-Adressen für eine bestimmte Datei (z.B. ein Musikstück) zu finden. Eine Spezialsoftware wäre dafür noch nicht einmal notwendig. Man müsste sich nur selbst für kurze Zeit am Download einer entsprechenden Datei beteiligen, um so schnell an die Liste der weiteren Downloader (Peers) zu kommen. Selbst Enduser-Programme bieten inzwischen eine automatische Rückauflösung der IP-Adressen an, um z.B. zu sehen, aus welchen Ländern die Peers kommen.

Außerhalb von P2P-Netzwerken ist es zwar schwieriger, aber nicht unmöglich, an die IP-Adressen für die Verfolgung von Urheberrechtsverletzungen zu gelangen. So wurden in der Vergangenheit z.B. Werbeportale (z.B. Banner-Einblendungen) auf illegalen Streaming-Seiten dazu genutzt, um an die IP-Adressen deren Besucher zu gelangen. Auch wurden schon Fälle dokumentiert, bei denen die IP-Adressen der Besucher solcher Streaming-Portale massenweise von Abmahnkanzleien angekauft wurden. Händler dieser Adressen waren auch hier Werbenetzwerke.

Diese jüngsten Fälle zeigen also, dass auch im Bereich der illegalen Streaming- und Downloadportale immer kreativere Lösungen gefunden werden, um an die Daten der Nutzer zu gelangen.

Wie kann man sich schützen?

Gegen eine IP-Anfrage kann man sich ausschließlich durch einen anonymen Proxy-Server bzw. anonymen VPN-Server schützen. Wir haben die, unserer Meinung nach, besten Anbieter in diesem Artikel zusammengefasst.